Elektroinstallation
Elektroplanung im Neubau: Wie viele Steckdosen braucht ein Raum?
Ein Haus wird zweimal gebaut – einmal aus Stein und einmal aus Kupfer. Wie Sie die unsichtbare zweite Hälfte so planen, dass sie auch in zwanzig Jahren noch passt.
Redaktion TOKSEL Elektrotechnik Veröffentlicht am 4 Min. Lesezeit

Ein Haus wird zweimal gebaut. Einmal aus Stein, Holz und Glas – das Haus, das man sieht. Und einmal aus Kupfer, Kunststoff und Ideen: ein Nervensystem, das hinter dem Putz verschwindet, bevor der erste Gast klingelt. Diese zweite Bauphase entscheidet darüber, ob das Haus mitdenkt oder ob in zehn Jahren Verlängerungskabel quer durchs Wohnzimmer laufen.
Die gute Nachricht: Wer früh plant, bekommt mehr Komfort für weniger Geld. Die schlechte: Was nach dem Verputzen fehlt, lässt sich nur noch mit Staub und Schlitzen nachholen.
Der richtige Zeitpunkt
Die Elektroplanung gehört in die Phase, in der Grundriss und Möblierung feststehen, aber noch kein Putz an der Wand ist. Spätestens zur Rohinstallation müssen alle Auslässe, Leitungswege und Leerrohre festgelegt sein. Nehmen Sie Ihre Möbelplanung mit zum Gespräch: Wo steht das Bett, wo der Fernseher, wo der Schreibtisch? Steckdosen folgen den Möbeln, nicht umgekehrt.
Wie viele Steckdosen braucht ein Raum?
Die DIN 18015-2 legt eine Mindestausstattung für Wohngebäude fest. Die RAL-RG 678 unterscheidet darüber hinaus drei Ausstattungswerte – von einem Stern für die Grundausstattung bis zu drei Sternen für komfortable Ausstattung. In der Praxis empfehlen wir, sich eher am oberen Ende zu orientieren: Eine zusätzliche Steckdose kostet im Rohbau wenig, später ein Vielfaches.
Unsere Faustregeln für ein modernes Einfamilienhaus (Doppelsteckdose zählt als zwei Steckplätze):
| Raum | Empfehlung (Steckplätze) | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Wohnzimmer | 10–14 | Medienwand, Leseplatz, jede Wandseite |
| Schlafzimmer | 6–8 | je Bettseite eine Doppelsteckdose |
| Kinderzimmer | 6–8 | Schreibtisch, Bett, später Gaming und Lernen |
| Küche | 8–12 plus Geräte | Arbeitsfläche, Herd 400 V, Spüle, Kühlschrank |
| Bad | 3–4 | Waschtisch, Spiegel, Handtuchheizkörper |
| Arbeitszimmer | 8–10 | Schreibtisch, Drucker, Netzwerkdosen |
| Flur und Diele | 2–3 | Staubsauger, Ladestation, Garderobe |
| Außen | je Zugang mind. 1 | von innen abschaltbar, spritzwassergeschützt |
Denken Sie dabei auch an Lichtauslässe, Rollladenantriebe, Netzwerk- und Antennendosen sowie an Rauchwarnmelder, die in Nordrhein-Westfalen in Schlafräumen, Kinderzimmern und Fluren Pflicht sind.
Installationszonen: Wo Leitungen verlaufen dürfen
Damit später niemand beim Bilderaufhängen eine Leitung anbohrt, schreibt die DIN 18015-3 feste Installationszonen vor:
- waagerecht 15–45 cm unter der Decke und 15–45 cm über dem Fußboden, in Räumen mit Arbeitsflächen zusätzlich 90–130 cm über dem Fußboden,
- senkrecht 10–30 cm neben Türen, Fenstern und Raumecken.
Schalter werden üblicherweise auf etwa 1,05 m Höhe gesetzt, Steckdosen meist rund 30 cm über dem fertigen Fußboden, in der Küche über der Arbeitsplatte auf etwa 1,10–1,20 m.
Licht, Schalter und Stimmung
Licht ist mehr als Helligkeit. Planen Sie Deckenauslässe dort, wo später Tische stehen, Wandauslässe für indirektes Licht und Wechsel- oder Kreuzschaltungen an jedem Zugang eines Raumes. In Fluren und Treppenhäusern sind Bewegungsmelder komfortabel, im Außenbereich ein Muss.
Reserve für morgen: Wallbox, PV, Wärmepumpe, Netzwerk
Ein Neubau von heute muss die Energie von morgen tragen. Wir empfehlen:
- Leerrohre vom Zählerschrank zum Dach (Photovoltaik), zur Garage oder zum Stellplatz (Wallbox) und zum Standort der Wärmepumpe,
- einen Zählerschrank mit Reserveplätzen nach VDE-AR-N 4100 – mehr dazu im Ratgeber Zählerschrank erneuern,
- Netzwerkleitungen (mindestens Cat 7) in jeden Wohn- und Arbeitsraum,
- Neutralleiter in jeder Schalterdose und tiefe Gerätedosen – so lassen sich smarte Schalter später ohne neue Leitungen nachrüsten,
- Überspannungsschutz, der in Neubauten ohnehin vorgeschrieben ist – siehe Überspannungsschutz nach VDE 0100-443.
Wer die Wallbox schon fest einplant, findet alles Weitere in unserem Ratgeber Wallbox installieren, für die Wärmepumpe in Wärmepumpe elektrisch anschließen.
Der Plan als Dokument
Am Ende steht ein Installationsplan: Welche Leitung führt wohin, welcher Stromkreis versorgt welchen Raum, wie ist die Verteilung bestückt? Zusammen mit dem Prüfprotokoll ist er das Gedächtnis Ihres Hauses – für Umbauten, für Handwerker und für den nächsten Eigentümer.
Fazit
Steckdosen sind die Satzzeichen eines Hauses: Fehlen sie, gerät der ganze Alltag ins Stocken. Planen Sie großzügig, denken Sie an morgen und dokumentieren Sie, was hinter dem Putz verschwindet. Wir planen und installieren Elektroanlagen für Neubauten in Köln, Hürth und im Rhein-Erft-Kreis – mehr unter Elektroinstallation oder direkt über unser Anfrageformular.
Häufige Fragen
Wie viele Steckdosen sind in einem Zimmer Pflicht?
Eine gesetzliche Pflicht für eine bestimmte Anzahl gibt es nicht. Die DIN 18015-2 beschreibt eine Mindestausstattung, die RAL-RG 678 komfortablere Stufen. Für Wohnräume empfehlen wir deutlich mehr als das Minimum.
Was bedeutet der Ausstattungswert nach RAL-RG 678?
Die RAL-RG 678 bewertet die Elektroausstattung einer Wohnung mit einem bis drei Sternen. Ein Stern entspricht im Wesentlichen der Mindestausstattung, drei Sterne stehen für hohen Komfort mit mehr Steckdosen, Lichtauslässen und Kommunikationsanschlüssen.
In welcher Höhe werden Steckdosen gesetzt?
Üblich sind etwa 30 cm über dem fertigen Fußboden. In der Küche liegen Steckdosen über der Arbeitsplatte meist auf 1,10 bis 1,20 m. Wichtig ist, dass Leitungen innerhalb der Installationszonen verlaufen.
Lohnt sich ein Smart Home schon beim Bau?
Die Vorbereitung lohnt sich fast immer: Neutralleiter in Schalterdosen, tiefe Dosen, Leerrohre und Netzwerkleitungen kosten im Rohbau wenig. Ob Sie das System sofort oder erst später ausbauen, können Sie dann frei entscheiden.
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Elektroinstallation für Gewerbe- und Wohnbau – im Neubau wie in der Sanierung, inklusive Zählerplatz und Unterverteilung.
Dieser Beitrag bietet einen allgemeinen Überblick (Stand: Oktober 2026) und ersetzt keine Prüfung oder Beratung im Einzelfall. Maßgeblich sind die jeweils gültigen Normen, Gesetze und die Vorgaben Ihres Netzbetreibers.


